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Lehramtsausbildung

Praxis braucht Präsenz - Zu viel Online schadet der Qualität

Am 1. Februar starten etwa 550 Lehramtsanwärter*innen in ihren Vorbereitungsdienst. Das Bildungsministerium setzt in der neuen Ausbildungsordnung auf mehr Online-Seminare. Die GEW kritisiert das, weil das Lernen für die Praxis Präsenz braucht.

Kiel – Am Donnerstag (1. Februar 2024) starten etwa 550 Lehramtsanwärter*innen (LiV) in ihren Vorbereitungsdienst an den Schulen in Schleswig-Holstein. Für sie gilt eine neue Ausbildungsordnung. Das Bildungsministerium setzt dabei auf mehr Online-Seminare, um Geld zu sparen. Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert das. Für sie braucht das Lernen für die Praxis Präsenz. Online-Veranstaltungen können nur eine Ergänzung sein.

Nach den neuen Vorgaben des Bildungsministeriums sollen 20 bis 40 Prozent der Ausbildungstage in Pädagogik und Berufspädagogik digital stattfinden (bisher eher vereinzelt). „Der Anteil ist einfach zu hoch. Hinter dem Deckmantel der Modernität versucht das Bildungsministerium, eine Sparmaßnahme zu verstecken. In erster Linie geht es darum, die Fahrtkosten bei den Ausbildungstagen einzusparen - zu Lasten der Qualität der Ausbildung“, sagte die GEW-Co-Landesvorsitzende Kerstin Quellmann am Dienstag, 30. Januar 2024 in Kiel.

Rückmeldungen von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst und Ausbildungslehrkräften nach der Coronazeit hätten deutlich gezeigt: „Präsenzveranstaltungen bringen in der Regel viel größere Lerneffekte als digitale Ausbildungsveranstaltungen.“ Das Erleben und die Besprechung von Unterrichtsstunden (Hospitation) ließen sich nicht gleichwertig in digitale Ausbildungsveranstaltungen übertragen. Besonders falle das in Sport, Musik oder Fächern ins Gewicht, die Versuchsaufbauten benötigten. Die fehlenden Erfahrungen müssten die angehenden Lehrkräfte und ihre Ausbildungslehrkräfte dann durch zusätzliche Arbeit in ihren Ausbildungsschulen ausgleichen.

Die neue Verordnung bürdet darüber hinaus den Anwärter*innen noch zusätzliche Aufgaben auf. So würden zum Beispiel höhere Anforderungen an die schriftliche Dokumentation von Ausbildungsstunden gestellt. „Das Bildungsministerium ignoriert vollkommen die schon jetzt viel zu hohe Arbeitsbelastung. Da jetzt noch was drauf zu packen, geht gar nicht. Niemand kann wollen, dass die Anwärter*innen die Segel streichen. Schließlich werden sie in den Schulen dringend gebraucht“, argumentierte Kerstin Quellmann. 

Sie sprach sich auch für eine bessere Bezahlung aus. Im Augenblick verdienen Lehramtsanwärter*innen zwischen 1562 und 1633 Euro brutto. „Nicht gerade viel nach einem abgeschlossenen Studium“, so die GEW-Co-Landesvorsitzende. „Wir fordern eine Erhöhung der Bezahlung auf mindestens 2.700 Euro. Das entspricht 60 Prozent dessen, was eine Lehrkraft beim Berufseinstieg verdient.“ So trüge die Landesregierung nicht nur der hohen Arbeitsbelastung Rechnung, sondern würdige auch die große Bedeutung der Nachwuchslehrkräfte für die Unterrichtsversorgung.