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Schulen mit besonderen Herausforderungen: Lehrkräfte erwarten schnelle Lösungen

Soziale Probleme konzentrieren sich immer stärker in wenigen Stadtteilen großer und mittlerer Städte – und damit auch in den Schulen dieser Stadtteile. Auf einer Diskussion im Kieler Gewerkschaftshaus nahm die GEW die Probleme in den Blick.

30.05.2018

Kiel – Die soziale Spaltung unserer Gesellschaft schreitet auch in Schleswig-Holstein voran. Das hat auch für die Schulen Konsequenzen. Auf ihrer Veranstaltung „Schulen mit besonderen Herausforderungen - Endlich allen Schülerinnen und Schülern gerecht werden!“ am Mittwoch, 30.05.2018 im Kieler Gewerkschaftshaus GEW benannte die GEW die brennenden Probleme dieser Schulen und forderte schnelle Unterstützung von der Landesregierung. 

Von der Politik allein gelassen
„Die Schulen in den betroffenen Stadtteilen stehen wirklich vor besonderen Herausforderungen: Die Anzahl von Schülerinnen und Schülern, deren Eltern Hartz IV beziehen, liegt weit über dem Durchschnitt, ebenfalls die Zahl an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Sie werden im Kern aber wie alle anderen Schulen behandelt, so dass sich die Lehrkräfte von der Politik allein gelassen fühlen“, sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Katja Coordes in ihrer Begrüßungsrede.

Lehrerinnen und Lehrer ständig am Limit – und darüber hinaus
„Das kann so nicht weitergehen. Lehrerinnen und Lehrer können nicht ständig am Limit – und darüber hinaus - arbeiten. Sie brauchen jetzt massive Hilfe und nicht erst im nächsten Jahr, wie es die Landesregierung plant. Für die Schülerinnen und Schüler gilt das im gleichen Maße, weil sonst ihre Bildungschancen auf der Strecke zu bleiben drohen“, so Katja Coordes, die selbst an einer Schulen mit besonderen Herausforderungen in Kiel unterrichtet. 

Konkrete Vorschläge von der GEW
Um Schülerinnen und Schüler besser zu unterstützen und Lehrkräfte zu entlasten, machte sie sich für folgende konkrete Maßnahmen stark:

  • konsequente Doppelbesetzung in den Klassen
  • zusätzliche Vertretungsreserven für die Schulen, damit sie Doppelbesetzungen nicht für Vertretungsunterricht auflösen müssen
  • Ermäßigungsstunden für Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer, um deren hohem Beratungspensum (Gespräche mit Eltern, Jugendamt, schulische Erziehungshilfe, Schulsozialarbeit,...) gerecht zu werden
  • Stärkung der Schulsozialarbeit

Schulen brauchen Nachteilsausgleich
In der anschließenden Diskussion wies Bildungsstaatssekretärin Dr. Dorit Stenke auf die geplante Einführung vom „Bildungsbonus“ zugunsten der Schulen mit besonderen Herausforderungen durch die Landesregierung hin. Gerd Möller, ehemaliger Mitarbeiter im Bildungsministerium NRW und Mitautor der Studie Ungleiches ungleich behandelnplädierte dafür, endlich den engen Zusammenhang zwischen individuellem Schulerfolg und sozialstrukturellen Merkmalen des Schulstandorts aufzubrechen. Von besonderer Bedeutung sei dabei eine „sozialindizierte Ressourcensteuerung, die den bedürftigen Schulen zusätzliche Lehrerstellen und finanzielle Mittel als Nachteilsausgleich zur Verfügung stellt, um Fördermöglichkeiten zu erweitern und schulspezifische Entwicklungsprozesse in Gang zu setzen“.

Stimmen aus der Praxis kommen zu Wort
Wie schwierig und herausfordernd die Arbeit in den betroffenen Schulen ist, stellten aus ihrer Sicht Matthias Isecke-Vogelsang, Schulleiter einer Schule mit besonderen Herausforderungen in Lübeck, und Jan Schmid, Schulsozialarbeiter aus Kiel, dar. Die Moderation der Diskussion lag bei Kathrin Fischer, Pressesprecherin der Europa-Universität Flensburg.

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