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Keine Ahnung oder gelogen? Ministerium zu nichtausgebildeten Lehrkräften

12.01.2018

Tricksereien und Dehnungen der Wahrheit sind bei Antworten der Landesregierung auf Kleine Anfragen nicht unüblich. Jüngste Antworten des Bildungsministeriums zum Unterricht durch nichtausgebildete Lehrkräfte übertreffen aber weit das Normalmaß.

Lehrerinnen und Lehrer ohne Ausbildung unterrichten in Schleswig-Holstein im Umfang von mehr als 900 Stellen (Landtagsdrucksache 19/419). Das steht in der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Martin Habersaat (SPD). Da diese Personen in der Regel nicht auf vollen Stellen arbeiten, dürften mehr als 2.000 Personen ohne Lehramtsausbildung in den Schulen tätig sein.   

Nichtausgebildete Lehrkräfte müssen absolute Ausnahme bleiben
„Nichtausgebildete Lehrkräfte dürfen in der Schule nur eine absolute Ausnahme bleiben. Sonst droht die Qualität der Bildung in erheblichem Maße zu leiden“, sagte  Astrid Henke, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Donnerstag, 11. Januar 2018 dazu in Kiel.

Nichtausgebildete Lehrkräfte erhalten keine Vorbereitung und Unterstützung
Richtig auf die Palme bringen die GEW-Landesvorsitzende die Antworten der Landesregierung zur Unterstützung der nichtausgebildeten Lehrkräfte in den Schulen: „Was das Bildungsministerium antwortet, hat mit der Realität in den Schulen nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun. Weder gibt es eine Vorbereitung der nicht ausgebildeten Personen, noch gibt es eine Begleitung dieser Personen durch Ausbildungslehrkräfte. Das Ministerium weiß nämlich nicht einmal, ob an den jeweiligen Schulen Ausbildungslehrkräfte arbeiten. Fehlanzeige auch bei der Mentorenschaft in den zu unterrichtenden Fächern“, sagte die Gewerkschafterin.

Notmaßnahmen erforderlich
Statt das Problem abzustreiten und zu verharmlosen, erwartet die GEW von der Bildungsministerin umgehend die Einleitung von Notmaßnahmen. Konkret forderte Astrid Henke:

•          Qualifikationen für alle nicht voll ausgebildeten Lehrkräfte

•          Zeitressourcen für die Kollegien zur Unterstützung bzw. für das Mentoring

•          Intensivierung von Quereinsteigerprogrammen in ausgewählten Fächern/Lehrämtern

Beruf muss attraktiver werden
„Notmaßnahmen reichen aber allein nicht aus“, so die GEW-Landesvorsitzende. „Der Beruf der Lehrerin und des Lehrers muss einfach wieder attraktiver werden, zum Beispiel durch eine Absenkung der Arbeitsbelastung und eine Anhebung der Besoldung für Grundschullehrkräfte auf A13.“


Verantwortlich: Bernd Schauer, 11.01.2018
 

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