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GEW-LandesdelegiertenversammlungGute Bildung wirksamstes Instrument gegen rechte Hetze

Unter dem Motto „Zukunft mit Bildung mit Zukunft“ fand vom 27.11. bis 29.11.2019 in Weissenhäuser Strand die GEW-Landesdelegiertenversammlung statt.

29.11.2019

166 Delegierte aus allen Bildungsbereichen trafen sich um den Kurs der Bildungsgewerkschaft GEW für die kommenden vier Jahre abzustecken. Sie repräsentieren knapp 10.700 GEW-Mitglieder.

Die Anträge befassten sich u.a. mit den Themen: Bildungsgerechtigkeit, Bildung in der digitalen Welt. Arbeitszeit, Bildungsfinanzierung und Lehrkräftemangel. Wahlen standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke und ihre Stellvertreterin Katja Coordes wurden wiedergewählt. Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien, die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe sowie der DGB-Landesbezirksvorsitzende Uwe Polkaehn waren zu Gast.

In ihrer Eröffnungsrede sagte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke: „Die Herausforderungen an die Menschen und unsere Gesellschaft wachsen. Eine gute Bildung ist die Voraussetzung, um mit ihnen fertig zu werden. Sei es der Klimawandel oder die wachsende soziale Spaltung unserer Gesellschaft, sei es der grassierende Populismus oder der drohende Verlust von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung: Ohne ein Mehr an Bildung werden wir diese Probleme nicht meistern.“ Die GEW trete daher für gute „Bildung für Alle“ und ein sozial gerechtes Bildungssystem mit gleichen Chancen für alle ein.

„Bildung ist jedoch weit mehr als gute Abschlüsse und gute Ausbildung. Trotz einiger abschreckender Beispiele stellt Bildung immer noch das wirksamste Instrument gegen anti-demokratische und rassistische Entwicklungen in unserer Gesellschaft dar“, so Astrid Henke. „Mordanschläge und Drohungen, rassistische und antisemitische Attentate, Rassismus und Sexismus fordern uns als Demokratinnen und Demokraten wie auch als Pädagoginnen und Pädagogen heraus. Gegenüber rechten Hetzern wie der AfD hilft nur entschlossenes Auftreten. Wir lassen uns nicht einschüchtern, auch nicht durch Petz-Portale! Gemeinsam verteidigen wir unsere Werte!“ 

Aus Sicht der GEW gehören zu guter Bildung auch gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im Bildungsbereich, und zwar von der Kindertagesstätte über Schulen und Hochschulen bis hin zu den Weiterbildungseinrichtungen. „Hier hapert es in Schleswig-Holstein an allen Ecken und Kanten, weil nicht genug Geld für Bildung ausgegeben wird“, bemängelte die GEW-Landesvorsitzende. „Deutschland hinkt bei den Bildungsausgaben in internationalen Vergleichen schon hinterher. Und Schleswig-Holstein krebst dann bei den bundesweiten Vergleichen meistens noch auf dem letzten oder vorletzten Platz herum. Folge: Viele Beschäftigten leiden unter Überlastung. Das muss anders werden, wenn in Schleswig-Holstein wirklich gute Bildung erreicht werden soll.“   

Hauptreferentin der Eröffnungsveranstaltung war Katja Urbatsch, Gründerin von Arbeiter-Kind.de. Die Initiative hat sich die Förderung des Hochschulstudiums von Nicht-Akademikerkindern zum Ziel gesetzt. „In Deutschland herrscht keine Bildungsgerechtigkeit. Der Bildungsweg ist noch immer stark mit der sozialen Herkunft verbunden. Von 100 Akademikerkindern studieren 79, dagegen sind es nur 24 Arbeiterkinder, obwohl auch sie das Potenzial dazu haben“, lautete ihr erschreckender Befund.

Dabei sei Bildung für den eigenen Lebensweg elementar. Der Zugang zu höherer Bildung bedeute die Chance auf Aufstieg, Teilhabe, persönliche Lebenszufriedenheit und nicht zuletzt die Stärkung der Demokratie, legte Katja Urbatsch dar. „Doch nicht jeder hat die gleichen Chancen.“

Die Gründerin von ArbeiterKind.de hob die wichtige Rolle der Lehrkräfte hervor: "Besonders Schülerinnen und Schüler aus nicht-akademischen Familie sind auf engagierte Lehrerinnen und Lehrer und zusätzliche Beratung bezüglich ihrer Bildungskarriere angewiesen, damit sie den für sie höchstmöglichen Bildungsabschluss anstreben. Sie brauchen Menschen, die ihnen ihre Leistungsfähigkeit bestätigen, Mut machen und konkrete Bildungswege aufzeigen. Zukunfts- und Bildungsperspektiven junger Menschen dürfen nicht von ihrer Herkunft abgeleitet werden, sondern von ihrem Potenzial.“

Obwohl sich in den letzten Jahren einiges im deutschen Bildungssystem verbessert habe, bleibe es dennoch für zu viele Kinder zu schwer, den Bildungsaufstieg zu meistern“, sagte Katja Urbatsch. „Es hängt immer noch häufig von Zufällen, dem Geldbeutel der Eltern und von persönlichen Unterstützern ab, wie der Bildungsweg verläuft. Gerecht ist das nicht.“

Die Poetry Slamerin Josefine Berkholz sorgte mit ihren Texten während der Eröffnungsveranstaltung für die künstlerische Note.

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