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Schulen mit besonderen HerausforderungenGEW für schnelle Hilfe statt Wettbewerb

Über Jahre passierte nichts. Immmerhin stellt das Bildungsministerium jetzt ein Konzept zur Förderung von Schulen mit besonderen Herausforderungen vor. Inhaltliche Ausrichtung und Umfang des Konzepts stoßen bei der GEW auf Kritik.

22.01.2019

Schnelle und umfassende Hilfe nötig
  „Die Schulen mit besonderen Herausforderungen brauchen schnelle und umfassende Hilfe. Stattdessen aber stürzt das Bildungsministerium sie nun untereinander in Konkurrenz um Unterstützung. War zunächst zugesagt, die Schulen mit dem höchsten Unterstützungsbedarf auf jeden Fall vom sogenannten Bildungsbonus profitieren zu lassen, müssen sie sich nun um diese Mittel bewerben“, kritisierte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Katja Coordes am Dienstag, 22. Januar 2019 in Kiel.

Entlastungsstunden für überlastete Lehrkräfte
Nachdrücklich appellierte sie an die Landtagsabgeordneten, die am morgigen Mittwoch über das Konzept der Landesregierung diskutieren werden: „Stellen sie für die Schulen mit besonderen Herausforderungen mehr Mittel zur Verfügung! Bringen Sie die Landesregierung dazu, allen Schulen mit besondere Herausforderungen – und zwar nicht gefühlten, sondern wissenschaftlich nachgewiesenen – mehr Lehrerstunden für kleinere Klassen, zusätzliches pädagogisches Personal für die Betreuung der Schülerinnen und Schüler und dringend notwendige Entlastungsstunden für die überlasteten Lehrkräfte zu gewähren!“

Sozialatlas wird erstellt
Gegenwärtig wird vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel(IPN)ein Sozialatlas erstellt. Nach festgesetzten Kriterien und anhand von Sozialdaten werden Schulen ermittelt, die sich mit besonderen Problemlagen konfrontiert sehen. Nach Vorstellungen des Bildungsministeriums soll es dann aber noch keine konkrete Hilfe für die so festgestellten Schulen geben. Sie müssen erst einmal Konzepte entwickeln.

Höhere Bedarfe anerkennen
Für Katja Coordes ist das ein falscher Weg: „Die meisten Schulen verfügen schon über gute Konzepte. Wegen ihrer schwierigen Bedingungen lechzen sie geradezu nach schneller Hilfe, nicht nach einem Auftrag für Konzeptentwicklung. Dies umso weniger, weil die Arbeit an einem Konzept umsonst bliebe, wenn die Schule im Wettbewerb mit anderen Schulen den Kürzeren zöge. Die Schule wird dann nicht zur „PerspektivSchule“, wie es im allerschönsten ministeriellen PR-Deutsch heißt, sondern bleibt dann wohl perspektivlos.“  Das Bildungsministerium müsse schlichtweg nur den höheren Bedarf der Schulen mit besonderen Herausforderungen anerkennen. Das betreffe vor allem die Leitungszeit für Schulleiterinnen und Schulleiter, die Zeit, die Klassenlehrkräfte zusätzlich investieren und die Schulsozialarbeit.

 

Verantwortlich: Bernd Schauer, 22.01.2019

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