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Gymnasiale OberstufeGEW für Beerdigung, nicht Neujustierung der Profiloberstufe

Vor der Fachtagung des Bildungsministeriums zur Reform der Oberstufe erntet Bildungsministerin Karin Prien Zustimmung von der GEW dafür, das Thema anzupacken. Die GEW strebt aber nicht nur eine Neujustierung, sondern eine umfassendere Reform an.

25.01.2019

Kiel – Einen Tag vor der Fachtagung des Bildungsministeriums zur Reform  der gymnasialen Oberstufe hat sich die Bildungsgewerkschaft GEW zu Wort gemeldet. Zustimmung erntet Bildungsministerin Karin Prien für ihren Vorstoß, dass Thema endlich anzupacken. Die GEW möchte es allerdings nicht bei einer Neujustierung belassen, sondern eine umfassendere Reform.

GEW für zwei Fächer auf erhöhtem Niveau
„In der neuen Oberstufe halten wir Unterricht in zwei Fächern auf erhöhtem Niveau für sinnvoll. Begabungsprofil sowie Neigungen der Schülerinnen und Schüler müssen wieder an erster Stelle stehen. Die jungen Menschen sollten ihre individuellen Stärken in der Oberstufe zum Ausdruck bringen können“, äußerte sich die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke am Freitag, 25. Januar 2019 in Kiel. „Ganz nebenbei würde dieses auch zu einer Vereinheitlichung des Bildungssystems beitragen, denn die überwiegende Anzahl der Bundesländer setzt auf zwei Fächer.“

„Abitur im eigenen Takt“ diskutieren
Wünschenswert sei es aus ihrer Sicht, wenn die Diskussion über „die altehrwürdigen Vorstellungen der Kultusministerkonferenz“ hinausginge. „Wer heute über eine Reform der Oberstufe diskutiert, darf Ideen wie das „Abitur im eigenen Takt“ nicht einfach beiseite wischen. Der Normalfall wird das Abitur nach drei Jahren bleiben. Aber warum nicht einem Teil der Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit geben, nach zwei Jahren Abitur zu machen, während andere vier Jahre benötigen?“ Eine größtmögliche Individualisierung sei erstrebenswert.

Fächerübergreifendes Lernen wichtig
Die GEW-Landesvorsitzende spricht sich auch dafür aus, den Anspruch an das fächerübergreifende Lernen qualitativ hoch zu halten. Für fächerübergreifendes Lernen, projektartiges Arbeiten und selbstständige individuelle Arbeitsorganisation der Schülerinnen und Schüler brauche das Gymnasium mehr Zeit. „Das eröffnet jungen Menschen die Chance, sich zu selbstbewussten und selbständigen Persönlichkeitenzu entwickeln, sich darin zu üben, vielfältige und kreative Lösungsmöglichkeiten zu erdenken und sich so auf die komplexen Schwierigkeiten unserer Welt vorzubereiten und studierfähig zu werden.“ Zu einem derartigen Lernen gehörten ausreichend Unterrichts- und Lehrerstunden.

Zu hohe Arbeitsbelastungen der Lehrkräfte nicht vergessen
„Auf keinen Fall außer Acht lassen dürfen wir in der Diskussion die Arbeitsbelastungen der Lehrkräfte“, so Astrid Henke. Die seien generell viel zu hoch. Durch extrem ungleich verteilte Anforderungen durch Abiturprüfungen und Korrekturen von Klausuren werde das Problem noch verschärft. „Während Lehrerinnen und Lehrer in einigen wenigen Fächern Jahr für Jahr zahlreiche Prüfungen durchführen müssen, können andere Fächer so gut wie gar nicht mehr als Abiturprüfungsfach gewählt werden. Ein breiteres Fächerangebot kann dem entgegenwirken.“

 

Verantwortlich: Bernd Schauer, 25.01.2019

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