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GEW bei Anhörung im Bildungsausschuss: Konturen von G9 bleiben völlig nebulös

30.11.2017

Zu viele Unklarheiten bei der Wiedereinführung von G9 bemängelte die GEW bei der Anhörung im Bildungsausschuss des Landtages am 30. November 2017 in Kiel. Negative Folgen bei den Kosten und für die Gemeinschaftsschulen würden ausgeblendet.

Beteiligte sollen Katze im Sacke kaufen
„Bei der geplanten Rückkehr von G8 zu G9 an den Gymnasien ist vieles noch völlig nebulös“, sagte Astrid Henke, Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW am Donnerstag, 30. November 2017 in Kiel bei der Anhörung durch den Bildungsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags zum entsprechenden Gesetzentwurf. „Im Grunde genommen ist es die berühmte Katze im Sack, die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern, aber auch Schulträger hier kaufen sollen.“

Viele Fragen, kaum Antworten
Es bleibe unklar, unter welchen Bedingungen G9 in Zukunft umgesetzt werden solle, so die Gewerkschafterin. „Wann soll die zweite Fremdsprache starten? Wie hoch ist die Stundenzuweisung? Was wird aus Ganztagsbereich und Mittagstisch? Wer trägt die Kosten für erforderliche neue Schulbücher und zusätzlich benötigte Klassenräume? Wie viele Lehrerstellen werden gebraucht? Welche Folgen gibt es für andere Schularten durch veränderte Schülerströme? Viele Fragen, kaum Antworten.“

Harsche Kritik an CDU-Wirtschaftsrat
Harsche Kritik übte Astrid Henke an Vorschlägen des CDU-Wirtschaftsrates zur Einführung von Eingangstests an Gymnasien. „Es ist erschreckend, dass im Jahr 2017 ein derartiger Vorschlag ernsthaft vorgetragen wird. Den Bildungsgang von der Tagesform eines zehnjährigen Kindes abhängig zu machen  - das ist ein krasser Rückschritt in die sechziger Jahre. Diese Prüfungen wurden in Schleswig-Holstein Anfang der siebziger Jahre zu Recht abgeschafft. Übrigens von einer CDU-Landesregierung.“ Es bleibe doch sehr zu hoffen, dass es sich hier um eine „reaktionäre Einzelmeinung“ handele.  

GEW für zweite Fremdsprache ab Klassenstufe 7
Für einen entscheidenden Punkt bei der Rückkehr zu G9 hält die GEW den Zeitpunkt des Beginns der zweiten Fremdsprache. „Die zweite Fremdsprache sollte erst wieder in der siebenten Klassenstufe beginnen“, schlug Astrid Henke vor. Der frühere Beginn der zweiten Fremdsprache bei G8 sei für viele Schülerinnen und Schüler ein großes Problem gewesen. Auch um die Durchlässigkeit des Bildungssystems zu erhalten, sei der Beginn in der siebenten Klassenstufe zwingend erforderlich. Nur dann sei in Zukunft noch ein Wechsel für Schülerinnen und Schüler von Gemeinschaftsschulen zum Gymnasium möglich.

Keine faktenbasierte Diskussion
Die GEW-Landesvorsitzende bedauerte, dass die Regierungsfraktionen sich bei der Diskussion nicht an wissenschaftlichen Fakten orientierten. „Entscheidungen des Landtages sollten faktenbasiert sein. Der hier vorgelegte Gesetzentwurf ist es leider nicht. Jedenfalls basiert er nicht auf nachvollziehbaren Fakten. Wissenschaftliche Kriterien für eine Verlängerung des gymnasialen Bildungsweges gibt es nämlich nicht, wie uns die Studie von Professor Köller vom Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) zeigt.“ Übrigens werde es aller Wahrscheinlichkeit nach auch keinen von der Rückkehr zu G9 ausgelösten Run auf Sportvereine, Musikschulen und Jugendfeuerwehren geben. Die Zeiten und damit auch das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen hätten sich schlichtweg geändert.

Zu hohe Hürde für Schulkonferenzen
Astrid Henke erneuerte ebenfalls ihre Kritik an der hohen Hürde für die Schulen von 75 Prozent für den Verbleib bei G8. „Wenn der Landtag den Schulkonferenzen Mitsprache ermöglichen will -  dann richtig. Das heißt: einfache Mehrheit in der Schulkonferenz. Wenn keine Mitsprache gewünscht ist, dann sollte der Landtag dazu auch stehen.“

 

Foto: Finn Blunck

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