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GEW-MitgliederbefragungCorona-Krise treibt Arbeitszeit der Lehrkräfte weiter in die Höhe

59 Prozent der Lehrer*innen arbeiten im Corona-Regelbetrieb mehr als vor der Pandemie. Das ist das zentrale Ergebnis unserer Befragung von GEW-Mitgliedern im Schuldienst. Die GEW fordert Entlastung!

26.10.2020

Kiel – 59 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer arbeiten im Corona-Regelbetrieb mehr als vor der Pandemie. 53 Prozent der Befragten sehen ihre Schule nur schlecht oder sehr schlecht auf eine erneute Phase des Fernunterrichts vorbereitet. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer Befragung von Lehrkräften durch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Botschaft der Befragten ist eindeutig: Corona führt zu enormen zusätzlichen Belastungen an den Schulen. Durchsetzung der Hygienemaßnahmen, gestiegener Beaufsichtigungsaufwand und zusätzliche pädagogische Förderung sind enorme Belastungsfaktoren. Schließlich kommen diese Aufgaben zu den normalen Aufgaben einer Lehrkraft obenauf.

„Schon vor Corona haben Lehrerinnen und Lehrer zu viel gearbeitet. Corona hat ihre Arbeitsbelastung jetzt noch einmal enorm ansteigen lassen. Die durch Corona hervorgerufene Mehrbelastung können sie aber nicht on top leisten. Entlastung muss her“, bewertete die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke am Montag, 26. Oktober in Kiel die Ergebnisse der Befragung.  

Von der Landesregierung forderte sie einen Sonderetat für den Corona-bedingten Mehraufwand: „Wir brauchen umgehend zusätzliches qualifiziertes Personal, und zwar sowohl mehr Lehrkräfte als auch zusätzliche Schulassistentinnen und Schulassistenten, ebenso Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter.“ Das sei eine unverzichtbare Maßnahme. Zudem müssten  Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer entlastet werden. Gerade sie seien durch pädagogische Aufgaben sowie Gespräche ganz besonders gefordert. Im Falle von Fernunterricht oder Quarantänemaßnahmen übrigens noch mehr, um den Kontakt  mit Schülerinnen und Schülern sowie Eltern aufrecht zu erhalten.

Geht es nach der GEW-Landesvorsitzenden, soll es auch mehr Mittel für individuelle Fördermaßnahmen für Schülerinnen und Schüler geben. Hierfür könnten die nicht ausgegebenen Mittel des Lernsommers verwendet werden, so Astrid Henke.

Auch beim Thema Digitalisierung hakt es noch erheblich. Nur peu à peu wird die digitale Ausstattung besser. Deshalb wundert es nicht, dass über 50 Prozent der Befragten eine schlechte oder sogar sehr schlechte Vorbereitung ihrer Schule auf eine erneute Phase des Fernunterrichts beklagen. Persönlich fühlen sich fast 50 Prozent der Lehrkräfte schlecht auf erneuten Fernunterricht vorbereitet. Astrid Henke: „Dieses Ergebnis ist mehr als erschreckend. Ohne mehr Tempo bei der Verbesserung der digitalen Ausstattung fehlen an vielen Schulen weiterhin die Voraussetzungen für erfolgreichen Fernunterricht.“ Auch das Angebot und die Zeit für Fortbildungen während des laufenden Betriebes blieben hinter den Erfordernissen zurück. Die Administration und Wartung der Geräte durch die Schulträger sei bisher nur ansatzweise umgesetzt worden.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse gibt es hier.


Hintergrund:
Die GEW führte im September 2020 eine Online-Befragung ihrer Mitglieder an schleswig-holsteinischen Schulen durch. 1132 Personen haben sich daran beteiligt. Die GEW bereitet derzeit auch eine Befragung ihrer Mitglieder in den Kindertagesstätten vor.

Grafiken zur Mitgliederbefragung in der Bildergalerie: