GEW Schleswig-Holstein
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Es ist Zeit für mehr Zeit. Pflichtstunden der Lehrkräfte senken!

Die Rahmenbedingungen in den Schulen haben sich verändert. Der Anteil der außerunterrichtlichen Tätigkeiten von Lehrkräften ist massiv gestiegen. Seit vielen Jahren kommen ständig neue Aufgaben für Lehrkräfte dazu – ohne Ausgleich. Die Unterrichtsverpflichtung wurde nicht entsprechend reduziert. Dadurch leidet die Qualität des Unterrichts!

All das wirkt sich auf die Lern- und Arbeitsbedingungen in der Schule aus. Lehrerinnen und Lehrer können unter diesen Umständen der heterogener gewordenen Schülerschaft nicht gerecht werden. Die zu hohen Arbeitszeiten der Lehrerinnen und Lehrer im Vergleich zu den anderen Beamtinnen und Beamten und die damit verbundenen Belastungen sind wissenschaftlich belegt.[1]

In Schleswig-Holstein hat die Statuserhebung zur Lehrkräftegesundheit gezeigt: Die Lehrkräfte leiden unter den enormen Belastungen. Arbeit in der Schule darf nicht krank machen! Wer gute Bildung will, muss die Arbeitsbelastungen der Lehrkräfte senken!

Die Lehrerinnen und Lehrer brauchen mehr Zeit für:

  • Guten Unterricht
  • Klassenleitung
  • Schulleitungs- und Koordinierungsaufgaben
  • Korrekturen und Prüfungen

Deshalb fordern wir von der Landesregierung Schleswig-Holstein:

  • Reduzierung der Pflichtstundenzahl in allen Schularten
  • Erhöhung der Ausgleichsstunden und Einführung von Entlastungsstunden
    z.B. für Klassenlehrkräfte und Korrekturzeiten
  • Schluss mit ständiger Mehrarbeit
  • Keine zusätzlichen Aufgaben ohne Ausgleich

Wie geht es weiter nach der erfolgreichen GEW-Petition?

5 300 Unterstützerinnen und Unterstützer! Sie haben im vergangen Schuljahr unsere Forderung „Zeit für mehr Zeit!“ bestärkt. Wir brauchen endlich mehr Zeit und Entlastungsmaßnahmen für bessere Arbeitsbedingungen an den Schulen in Schleswig-Holstein. Im Bildungsministerium sieht man das offenbar anders.

 „Den spezifischen Belastungen, die mit der Aufgabe einer Lehrkraft zweifellos verbunden sind, tragen die gegenwärtigen Regelungen sowohl über die zu erteilenden Pflichtstunden als auch die anderen Rahmenbedingungen angemessen Rechnung.“

Die Staatssekretärin Dr. Dorit Steinke verwies in ihrer Stellungnahme zu unserer Petition auf Entlastungsmaßnahmen wie die Altersermäßigung und die Einführung der schulischen Assistenz an Grundschulen. Als weitere Maßnahmen nannte sie die Unterstützung der Schulen mit besonderen Herausforderungen, die zur Verfügung gestellten Mittel für die Schulsozialarbeit, die Verbesserung der Unterrichtsversorgung und der geplante Leitungszeiterlass. Zu guter Letzt rühmte das Ministerium sich auch noch für die Anhebung der Besoldung auf A13 für Grundschullehrkräfte, obwohl die mit der Arbeitsbelastung nun wirklich gar nichts zu tun hat.

Wir können über diese Stellungnahme nur den Kopf schütteln! Denn: Parallel zu den vom Ministerium genannten „Entlastungsmaßnahmen“ sind immer neue Aufgaben und Anforderungen an Lehrkräfte hinzugekommen. Die Praxis zeigt, dass diese punktuellen Maßnahmen nicht zu einer spürbaren Reduzierung der Belastung von Lehrkräften führen. Sie sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Dass sich das Ministerium, dann noch dafür feiern lassen will, dass wir noch bis 2026 auf die flächendeckende Besoldung nach A 13 für Grundschullehrkräfte warten müssen, ist blanker Hohn.

Die abschließende Antwort des Petitionsausschusses steht noch aus. Eins ist klar: Vom Ministerium sind erstmal keine Maßnahmen zu erwarten. So weit so schlecht. Wir müssen selbst Politik und Öffentlichkeit davon überzeugen, dass es Zeit für mehr Zeit ist. Unser Ziel ist deshalb für die nächsten Monate: Kolleginnen und Kollegen dazu motivieren sich für ihre Arbeitsbedingungen einzusetzen! Uns ist bewusst, dass wir für eine Pflichtstundenreduzierung und für Entlastungen einen langen Atem brauchen, aber wir wollen es schaffen! Gemeinsam mit Dir!

Was kannst du tun?

Sprich in deinem Kollegium über das Thema Arbeitsbelastung, die Petition und die negative Reaktion des Ministeriums. Ladet die GEW zu euren Personalversammlungen ein. Die GEW-Kolleginnen und Kollegen können euch aus erster Hand informieren und mit euch über Probleme und Lösungen diskutieren. Du willst gerne die GEW an deine Schule einladen? Dann kontaktiere einfach: melchior(at)gew-s(dot)de oder 0431-5195 150

 


[1] Vgl. Thomas Hardwig, Frank Mußmann: Zeiterfassungsstudien zur Arbeitszeit von Lehrkräften in Deutschland. Konzepte, Methoden und Ergebnisse von Studien zu Arbeitszeiten und Arbeitsverteilung im historischen Vergleich, 2018