GEW Schleswig-Holstein
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Deutsch als Zweitsprache

Beschluss der 42. Landesdelegiertenversammlung im Dezember 2015

 

Die GEW setzt sich für einen Ausbau des Bereichs „Deutsch als Zweitsprache“ in allen Bildungsbereichen ein. Ziel ist die erfolgreiche Integration von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in ein sich inklusiv entwickelndes Bildungssystem in Schleswig-Holstein von der Kita bis zur Hochschule.
 
Die GEW sieht die Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus Migrationsfamilien und Kin-dern und Jugendlichen mit Förderbedarfen als eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit und somit als Aufgabe aller Schularten an.

•    Die GEW setzt sich dafür ein, dass die Angebote für „Deutsch als Zweitsprache“ in den Kindertagesstätten ausgebaut werden. Dringend erforderlich sind auch hier Fortbildungen zum Umgang mit Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache und v.a. zum Umgang mit traumatisierten Kindern. Erforderlich ist auch eine Berücksichtigung der besonderen Be-dürfnisse geflüchteter Kinder, u.a. beim Personalschlüssel der Kindertagesstätten.
 
•    Die GEW setzt sich für gute Arbeits-, Lehr- und Lernbedingungen in den Schulen, die in den Erstaufnahmeeinrichtungen eingerichtet wurden/werden, ein. Dazu gehören neben räumlicher und materieller Ausstattung (z.B. Kopierer, Lehrbücher / Arbeitsbücher, Zu-gang zu Computern und Druckern, Verbrauchsmaterial für die Willkommenskultur etc.) auch die Unterstützung durch SchulpsychologInnen, SchulsozialarbeiterInnen und schulmedizinische Dienste. Die Gesundheit der SchülerInnen UND der LehrerInnen soll in be-sonderem Maße geschützt werden. Die Frage der Zuständigkeit für Lehr – und Lernmittel muss umgehend geklärt werden.

•    Die GEW setzt sich für die Erhaltung und Verbesserung der Qualität in den DaZ-Zentren des Landes Schleswig-Holstein und für die konsequente verbindliche Umsetzung des „Dreistufenmodells“ ein:

  • In den Basisklassen sollen höchstens 12 SchülerInnen beschult werden
  • In den Basisklassen sollen nur Lehrkräfte unterrichten, die für „DaZ“ qualifiziert sind. Dazu gehört auch, dass die Qualifikation „DaZ“ bei PbOn leicht erkennbar ist.
  • Da einige SchülerInnen aus verschiedenen Gründen (Trauma, wenig Schulbildung u.a.) Anzeichen zeigen, die für den „Förderbedarf Lernen“ typisch sind, sollen präven-tiv vermehrt Sonderschullehrkräfte an den DaZ-Zentren eingesetzt werden. Der Einsatz der Sonderschullehrkräfte darf dabei nicht auf den Primarbereich beschränkt werden. Ferner muss es für diese SchülerInnen alternative bzw. flexible Lösungen geben. Nur mit zusätzlichen Ressourcen kann es gelingen, sie in das Regelschulsystem zu integrieren und zum Ersten Allgemeinbildenden Abschluss zu führen.
  • Es sollen verbindliche Kriterien für den Übergang der SchülerInnen von der Basis- zur Aufbau- (neu: Stufe II)und von der Aufbau- zur Integrationsstufe (neu: Stufe III) geschaffen werden.
  • Damit alle KollegInnen auf die Bedürfnisse von SchülerInnen, die Deutsch erst kurz als Zweitsprache lernen, eingehen können, ist es dringend erforderlich, dass vermehrt Fortbildung für das Thema ,,durchgängige Sprachbildung“ angeboten werden und zwar für Lehrkräfte aller Schularten.
  • Die SchülerInnen, die die Basisklasse verlassen müssen, besuchen im Anschluss zumeist Grundschulen, Gemeinschaftsschulen und berufsbildende Schulen. Die Angebote an den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe sollen an allen Standorten vermehrt ausgebaut werden.
  • Um die Aufnahme und die zusätzliche Sprachförderung in den Stufen II (4-6 Stunden wöchentlich) und III (1-2 Stunden wöchentlich) und die Umsetzung der „Durchgängigen Sprachbildung“ an allen Schulen und Schularten zu ermöglichen, ist dringend eine höhere Planstellenzuweisung an alle Schularten notwendig.


•    Die GEW setzt sich dafür ein, dass Regelschulen, die in sog. sozialen Brennpunkten ange-siedelt sind und die aufgrund ihres Standortes in den meisten Fällen besonders viele DaZ-Lernende und Kinder mit Beeinträchtigung bzw. Förderbedarfen aufnehmen, mit deutlich mehr LehrerInnen-Planstellen und Stunden für die Schulsozialarbeit versorgt werden.
 
•    Die GEW setzt sich dafür ein, dass „Deutsch als Zweitsprache“ an den Universitäten in Kiel und Flensburg als Unterrichtsfach aufgebaut, mit entsprechenden Ressourcen für erhöhten Bedarf an Forschung und Lehre (vgl. Uni München/Uni Freiburg u.a.) ausgestattet und verpflichtender Studieninhalt für alle Lehramtsstudiengänge wird. Darüber hinaus soll „DaZ“ vermehrt auch in die zweite Ausbildungsphase integriert werden.

•    Die GEW setzt sich dafür ein, dass die Angebote für „Deutsch als Zweitsprache“ an den berufsbildenden Schulen ausgebaut werden:

  • Es sollen Lösungen für junge Menschen zwischen 18 und 25 geschaffen werden.
  • Es ist erforderlich, dass die Zeit, die junge Menschen nichtdeutscher Herkunftssprache in den berufsbildenden Schulen/RBZ verbringen, flexibler gestaltet werden darf.
  • Für SchülerInnen mit wenig schulischer Vorbildung müssen besondere berufsbezogene Angebote und vielfach auch Alphabetisierungskurse geschaffen werden. Dafür ist insbesondere auch eine enge Zusammenarbeit mit Handels- und Handwerkskammern erstrebenswert. (Hintergrund: Die Berufsschulen kooperieren zum Teil mit den VHS und schicken Schüler über 18 oder nicht alphabetisierte berufsschulpflichtige Jugendliche in DaZ-Alphakurse an den VHS, weil sie das selbst nicht leisten können.)
  • Auch an den berufsbildenden Schulen/RBZ soll die Gruppengröße 12 nicht überschritten werden. „Wartelisten“ müssen schnell abgebaut werden.


•    Die GEW setzt sich dafür ein, dass der Erlass „Ausgleichsmaßnahmen für Schülerinnen und Schüler nicht deutscher Herkunftssprache in den Abschlussprüfungen für den Ersten allgemeinbildenden Schulabschluss und den Mittleren Schulabschluss“ vom 2. September 2015 (in Kraft seit 01. November 2015) auch für das Abitur in Schleswig-Holstein Anwendung findet.

•    Die GEW setzt sich dafür ein, dass die Arbeit der KoordinatorInnen der DaZ-Zentren wert-geschätzt wird. Zum Teil werden an den DaZ-Zentren inzwischen mehr als 100 SchülerInnen beschult. Das Aufgabengebiet der KoordinatorInnen an DaZ-Zentren ist stetig gewachsen. Für große DaZ-Zentren ist es deshalb notwendig Funktionsstellen einzurichten und eine ausreichende Zahl von Ausgleichsstunden vorzusehen.

•    Die GEW setzt sich dafür ein, dass Lehrkräften aus anderen europäischen Ländern, die Deutsch als Fremdsprache bzw. Germanistik studiert haben, bei besonderer Eignung ermöglicht wird, unbefristet in den Landesdienst eingestellt zu werden. (Hintergrundinfor-mation: Wir haben eine Vielzahl von hoch qualifizierten Lehrerinnen aus Polen, Russland und anderen GUS-Staaten mit BAMF – Qualifikationen und Zulassungen für die Telc-Sprachprüfung, die bislang nur als Aushilfskräfte eingestellt werden dürfen, die aber drin-gend gebraucht werden.


•    An den VHS arbeiten in SH zahllose osteuropäische Lehrkräfte auf Honorarbasis. Die sind zum großen Teil allein auf diese Beschäftigungen angewiesen und haben keine Sozialversicherung. Die GEW setzt sich dafür ein, dass diese prekären Beschäftigungsverhältnisse im Bereich „Integrationskurse an VHS und privaten Sprachschulen“ abgeschafft werden. Vielmehr müssen Arbeitsplätze geschaffen werden, die für qualifizierte Personen attraktiv und zukunftssicher sind.

Ansprechpartner_in
Katja Coordes
Stellvertretende Vorsitzende
0151-22007021