GEW Schleswig-Holstein
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Tarifrunde Bund und KommunenSolidarisch durch die Krise

Am 1. September beginnen die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten bei Bund und Kommunen. Zurzeit laufen die Forderungsdiskussionen der GEW und der anderen Gewerkschaften.

13.08.2020

Und schon bevor die Forderung überhaupt beschlossen wurde, weisen die Arbeitgeber auf leere Kassen hin. Also alles wie immer? Natürlich nicht. Die Corona-Pandemie hat unsere Gesellschaft in den letzten Monaten vor riesige Herausforderungen gestellt. Und das Ende der Pandemie ist noch nicht vorauszusagen.

Systemrelevanz muss sich auch auf dem Konto widerspiegeln

Im Zuge der Krise wurde viel über die Bedeutung sozialer Berufe geredet. Zuvorderst ging es dabei um Beschäftigte in Krankenhäusern und der Pflege. Auch die Leistung anderer Berufsgruppen wurde sehr positiv hervorgehoben – so z. B. auch die Supermarktkassierer*innen, die in dieser schwierigen Zeit für die Versorgung unserer Gesellschaft gesorgt haben.

Systemrelevanz – Dieser Begriff hatte im April und Mai Hochkonjunktur. Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie viele Menschen für unsere Gesellschaft sehr wichtig sind. Deutlich ist aber auch geworden, wie viele Menschen ihrer systemrelevanten Tätigkeit unter schlechten Bedingungen und schlechter Bezahlung nachgehen.

In dieser Erkenntnis liegt eine große Chance dieser Krise. Daran müssen gewerkschaftliche Kämpfe für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne anknüpfen. Aber: Natürlich wird das nicht einfach. Zum einen bleiben in unserer schnelllebigen Gesellschaft viele Dinge nicht lange im Gedächtnis. Zum anderen weht uns schon jetzt ein scharfer Wind entgegen, wenn es um die Frage geht, wer die Kosten der derzeitigen Krise und deren Folgen zu bezahlen hat.

Sozial- und Erziehungsdienst als Säule unserer Gesellschaft

Bei der Würdigung von besonderen Leistungen von Beschäftigten während der Corona-Pandemie, kamen aus Sicht der GEW die Beschäftigten in den Kitas und im Sozial- und Erziehungsdienst viel zu kurz. Dabei zeigten die Kita-Schließungen und ihre schrittweise Wiederöffnung sehr deutlich, wie wichtig auch gerade die Arbeit in diesem Bereich ist.

Natürlich hat die Politik Recht, wenn sie sagt, dass der Besuch von Kindern in Kindertagesstätten für Kinder, Eltern und Gesellschaft elementar ist. Die GEW hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die schrittweise Öffnung der Kindertagesstätten zuvorderst eben nicht aus der Perspektive der Betreuung gedacht werden sollte, sondern die Kinder und deren individuelle Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen müssen. Gleichzeitig haben wir nachdrücklich darauf hingewiesen, dass auch die Erzieher*innen und die anderen sozialpädagogischen Fachkräfte Anspruch auf einen ausreichenden Infektions- und Gesundheitsschutz haben.

Applaus alleine reicht nicht

Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung ist riesig. Die Aufgaben und die damit verbundenen Herausforderungen sind enorm. Deshalb machen wir uns seit vielen Jahren für die Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes stark. Die Politiker*innen, die in der Krise die zentrale Bedeutung der Kitas immer wieder betont haben, sollten jetzt und in Zukunft daraus die richtigen Schlüsse ziehen.  Applaus alleine reicht nicht. Wir brauchen ein deutliches Signal der Anerkennung für die Leistungen der Beschäftigten. Die Gehälter müssen steigen – und zwar dauerhaft.

Die weitere Aufwertung der sozialen Berufe bleibt ein zentrales Thema. Die Tarifverhandlungen über die Eingruppierung im Sozial- und Erziehungsdienst sind im Zuge der Corona-Pandemie zwar unterbrochen worden, sollen aber fortgesetzt werden.

Tarifverhandlungen im Corona-Modus

Gespräche über eine Verschiebung der regulären Tarifrunde bei Bund und Kommunen scheiterten am Widerstand der Arbeitgeber. So startet die Tarifrunde also am 1. September. Natürlich wird es keine normale Tarifrunde werden. Ohne Frage stehen die Kommunen vor einer schwierigen finanziellen Situation. Aber eines geht natürlich nicht: Die Beschäftigten, die unsere Gesellschaft in der Krise am Laufen halten, nun für die Krise zahlen zu lassen. Das sollten auch die Arbeitgeber einsehen. Warme Worte für die Beschäftigten alleine genügen nicht.

Wegen Corona werden wir auch neue Formen für gewerkschaftliche Aktionen entwickeln müssen. Wir werden deshalb nach kreativen Möglichkeiten suchen, um die Arbeitgeber und die Öffentlichkeit auf unsere berechtigten Forderungen aufmerksam zu machen. Darauf werden wir uns einstellen und vorbereiten.

Die Zeiten sind schwierig. Aber gerade in Krisenzeiten brauchen wir starke Gewerkschaften. Mit solidarischem Einsatz wird es uns gelingen, auch in dieser Tarifrunde ein gutes Ergebnis zu erzielen. Dafür brauchen wir auch deine Unterstützung.