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CoronaRisikogruppen: Bildungsministerin treibt Lehrkräfte vor Gericht

Im heutigen (04.08.2020) Deutschlandfunk-Interview malt Bildungsministerin Karin Prien ein schönes Bild von der Schulsituation in Schleswig-Holstein. Leider blendet sie dabei für sie unliebsame Teile der Wirklichkeit aus.

04.08.2020

Die Bildungsgewerkschaft GEW empört vor allem der hartherzige Umgang der Bildungsministerin mit Lehrkräften, die einer Risikogruppe angehören.

„Sorgenvoll blicken gerade Angehörige von Risikogruppen dem Schulstart entgegen, zwingt das Land sie doch trotz teilweise schwerer Vorerkrankungen ungeschützt in den Präsenzunterricht. Das ist unverantwortlich. Mit Unterstützung der GEW haben daher rund 20 Betroffene Klage vor Gericht gegen das Verhalten des Bildungsministeriums eingelegt“, sagte GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke am Dienstag, 4. August 2020 in Kiel.

„Während Frau Prien im Interview den Eindruck erweckt, als müssten diese Lehrerinnen und Lehrer keinen Präsenzunterricht erteilen, lässt sie diese Gruppe in Wirklichkeit durch ihren arbeitsmedizinische Dienst wegdefinieren. Warum die Bildungsministerin jedoch auf der einen Seite alle Beteiligten vor der besonderen Brisanz des Schulstarts warnt, auf der anderen Seite aber überhaupt kein Risiko für vorerkrankte Beschäftigte sieht, bleibt ihr Geheimnis. Jegliche Gefährdung wird negiert, ein besonders geschützter Einsatz verwehrt“, kritisierte die GEW-Landesvorsitzende.

Ganze 32 Lehrerinnen und Lehrer seien bisher als schutzbedürftig anerkannt worden. Mehr als 1.600 hätten hingegen Atteste ihrer Haus- oder Fachärzte vorgelegt, nach denen ihr Einsatz im Präsenzunterricht wegen Vorerkrankungen nicht zu verantworten sei. Andere Bundesländer schützen vorerkrankte Kolleginnen und Kollegen mit besonderem gesundheitlichem Risiko durch den  Einsatz im Homeoffice.

Verantwortlich: Bernd Schauer, 04.08.2020