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Polen: LehrerInnen streiken

In Polen sind zehntausende Lehrerinnen und Lehrer dem Aufruf ihrer Gewerkschaft ZNP zum Streik gegen die geplante Bildungsreform gefolgt. Sie befürchten den Verlust von Arbeitsplätzen und kritisieren politische Einflüsse auf Bildungsinhalte.

02.04.2017 - Webredaktion

Protest gegen geplante Bildungsreform auf der anderen Seite der Ostsee

In Polen sind zehntausende Lehrerinnen und Lehrer dem Aufruf ihrer Gewerkschaft ZNP zum Streik gegen die geplante Bildungsreform gefolgt. Sie befürchten den Verlust von Arbeitsplätzen und kritisieren politische Einflüsse auf Bildungsinhalte.

Die Lehrerinnen und Lehrer sind am 31. März in den Streik getreten, um gegen die Bildungsreform der rechtspopulistischen Regierung zu protestieren. Viele Eltern hatten ihre Kinder erst gar nicht zur Schule geschickt, um Solidarität mit den Lehrkräften und deren Forderungen zu zeigen. Nach Angaben der größten polnischen Lehrergewerkschaft ZNP, die zu dem Streik aufgerufen hatte, fiel landesweit in 6.500 Schulen der Unterricht aus. Das sind mehr als ein Drittel aller Schulen in Polen.

Rolle rückwärts in der Bildungspolitik
Die Regierung plant eine Rückkehr zum alten bis 1999 gültigen zweistufigen Schulsystem mit achtjähriger Hauptschule und anschließendem vierjährigen Lyzeum oder Berufsschule.  Das heutige dreistufige Schulsystem mit dazwischengeschaltetem Gymnasium soll abgeschafft werden. Zudem soll in den Schulen mehr Gewicht auf national-patriotische Bildung gelegt werden. Nach dem Willen der Regierung soll die Bildungsreform bereits im Herbst 2017 in Kraft treten. Dagegen läuft die ZNP seit Monaten Sturm.

Gewerkschaft fürchtet Entlassungen
Mehr als eine halbe Million Unterschriften hat die Lehrergewerkschaft gegen die Reform gesammelt. „Es geht doch nicht, dass 15-Jährige zusammen mit Siebenjährigen zur Schule gehen. Wenn man auf die psychische Entwicklung eines Kindes schaut, ist das nicht sinnvoll“, kritisiert der ZNP-Vorsitzender Slavomir Broniarz die Regierungspläne. Seine ZNP traut den Versprechen der Regierung nicht, dass niemand entlassen werden soll, sondern befürchtet, dass tausende Lehrerinnen und Lehrer durch die Reform ihre Arbeitsplätze verlieren werden. „Viele Klassen werden aus wirtschaftlichen Gründen zusammengelegt“, so Broniarz. „Da braucht man einfach weniger Lehrer.“

Solidaritätsschreiben
In einem Solidaritätsschreiben sicherte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe der ZNP ihre Unterstützung zu: „Ich wünsche euch Einigkeit und Kraft für den Streik, damit ihr die Interessen eurer Mitglieder erfolgreich vertreten und eure Arbeitsplätze und Bildungsstandards gegen die Angriffe der Regierung verteidigen könnt.“

Manfred Brinkmann
GEW-Hauptvorstand

 

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