GEW Schleswig-Holstein
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Petition zur Arbeitsbelastung Pflichtstunden runter, Entlastungen rauf

5.300 Menschen unterstützen eine Petition der schleswig-holsteinischen GEW-Landesvorsitzenden Astrid Henke zur Absenkung der Pflichtstunden von Lehrerinnen und Lehrern. Der Petitionsausschuss des Landtages muss sich jetzt mit dem Thema befassen.

09.05.2019

Lehrerinnen und Lehrer arbeiten zu viel
„Lehrerinnen und Lehrer arbeiten zu viel. Die Zahl ihrer Pflichtstunden ist zu hoch. Sie arbeiten am späten Abend, am Wochenende und an Feiertagen. Aber auch Lautstärke in den Klassen, hoher Zeitdruck und Zusatzbelastungen durch eine immer heterogenere Schülerschaft beanspruchen sie über alle Maßen. Mit der Petition haben wir das Thema „Senkung der Pflichtstunden“ in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die breite Unterstützung zeigt, dass es dort hingehört. Es ist Zeit für mehr Zeit. Pflichtstunden runter! Entlastungen rauf!“, forderte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke am Donnerstag, 9. Mai 2019 auf der Landespressekonferenz in Kiel.  

Bildungsministerin will zu hohe Pflichtstundenzahl weiterhin festschreiben
Kritisch setzte sie sich mit der Politik von Bildungsministerin Karin Prien (CDU) auseinander: „Die Bildungsministerin lässt Fakten zur Gesundheit von Lehrerinnen und Lehrern erheben, tut aber nichts. Schlimmer noch: Ohne mit der Wimper zu zucken, will sie die Pflichtstundenverordnung verlängern, wohlwissend, dass sie damit die viel zu hohe Belastung der Lehrerinnen und Lehrer für die kommenden fünf Jahre festschreibt.“

Arbeit in der Schule darf nicht krank machen
Die Statuserhebung des Bildungsministeriums zur Lehrkräftegesundheit hatte gezeigt: Die Lehrkräfte leiden unter enormen Belastungen. Etwa die Hälfte von ihnen beurteilte die eigene Arbeitsfähigkeit nur als schlecht oder mäßig. Astrid Henke: „So geht das nicht weiter. Arbeit in der Schule darf doch nicht krank machen. Die Bildungsministerin muss hier mit Entlastungsmaßnahmen gegensteuern, nicht die zu hohe Pflichtstundenzahl beibehalten.“

Konkret fordert die GEW von der Landesregierung:
- Reduzierung der Pflichtstundenzahl in allen Schularten
- Erhöhung der Ausgleichsstunden und Einführung von Entlastungsstunden zum Beispiel für
  Klassenlehrkräfte und Korrekturzeiten
- Schluss mit ständiger Mehrarbeit
- Keine zusätzlichen Aufgaben ohne Ausgleich

Außerunterrichtliche Tätigkeiten massiv angestiegen
Die GEW-Landesvorsitzende zeigte auf, wie sehr sich die Rahmenbedingungen in den Schulen in den vergangenen Jahren verändert hätten. „Unterricht macht ein Drittel aus. Der Anteil der außerunterrichtlichen Tätigkeiten von Lehrkräften ist massiv gestiegen. Dazu zählen beispielsweise Elterngespräche. Für unterrichtsnahe Lehrarbeit, wie zum Beispiel Vor- und Nachbereitung sowie Korrekturen verbleibt dadurch nur noch ein Drittel. Trotzdem kommen weiterhin mehr Aufgaben hinzu. Die Politik tut aber nichts, damit Lehrkräfte ihre Aufgaben auch erledigen können. Die Unterrichtsverpflichtung wurde nicht entsprechend reduziert.“

Qualität des Unterrichts leidet
Unter dieser Entwicklung leide nicht nur die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch die Qualität des Unterrichts, so Astrid Henke. Die gegenwärtigen Lern- und Arbeitsbedingungen in der Schule machten es für sie immer schwerer, gut zu unterrichten. Astrid Henke wörtlich: „Lehrerinnen und Lehrer können unter den gegenwärtigen Bedingungen Schülerinnen und Schülern kaum gerecht werden. Sie brauchen mehr Zeit für guten Unterricht, Klassenleitung, Schulleitungs- und Koordinierungsaufgaben sowie Korrekturen und Prüfungen. Wer gute Bildung will, muss die Arbeitsbelastungen der Lehrkräfte senken! Jetzt - und nicht irgendwann!“

Tatsächliche Arbeitszeit der Lehrkräfte höher als bei übrigen Beamtinnen und Beamten
Die Lehrkräfte an Gymnasien in Schleswig-Holstein arbeiten beispielsweise im Vergleich zu Niedersachsen zwei Pflichtstunden mehr,  Lehrkräfte an Gemeinschaftsschulen 2,5 Pflichtstunden. Auch im Vergleich zu den anderen Beamtinnen und Beamten liegt die tatsächliche Arbeitszeit der Lehrkräfte höher, wie Untersuchungen belegen. Als Indikator für die hohe Belastung von Lehrkräften kann auch gewertet werden, dass nur knapp 20 Prozent von ihnen mit dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand gehen. Im übrigen Landesdienst sind es über 45 Prozent.
 

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