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Integration an Schulen - Nebenbei geht nicht

Etwa 1200 DaZ*-Schülerinnen und -Schüler wechseln zum Schulhalbjahr in die Regelklassen der allgemeinbildenden Schulen. Bisher erhielten sie Deutschunterricht in DaZ-Zentren. Nun sollen sie in den normalen Schulbetrieb integriert werden.

01.02.2017 - Webredaktion

Integration große Herausforderung
Aus den Erfahrungen an den Schulen weiß die Bildungsgewerkschaft GEW: Die Integration von neuen Schülerinnen und Schülern ist für Schulen eine große Herausforderung. Die können die Lehrerinnen und Lehrer nicht nebenbei leisten. 

Zweifel, ob 110 neue Stellen ausreichen
„Wir brauchen nicht nur DaZ-Lehrerinnen und -Lehrer für den Unterricht in der Basisstufe** in den DaZ-Zentren. Auch in den Regelklassen muss dringend mehr Unterstützung ankommen“, sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Katja Coordes, die selbst als DaZ-Lehrerin an einer Schule in Kiel unterrichtet, am Mittwoch, 01. Februar 2017 in Kiel. „110 Lehrerstellen stellt die Landesregierung bereit. Das ist schon eine gute Maßnahme. Uns erscheint es aber zweifelhaft, ob die Stellen ausreichen werden.“

Aus ihrer Sicht seien die laut Erlass geplanten zwei bis sechs Stunden „Aufbauunterricht“ zu wenig, um die Sprachentwicklung der Kinder und Jugendlichen so zu fördern, dass sie dem Regelunterricht gut folgen könnten. „Wir dürfen nicht vergessen, dass ein Großteil  dieser Kinder und Jugendlichen nach einem Jahr in Deutschland in der deutschen Sprache bei weitem noch nicht so sattelfest ist.“

Mehr Schulen einbeziehen
Viele Schulen konnten inzwischen bereits Erfahrung im Umgang mit DaZ-Schülerinnen und -Schülern sammeln. Nach wie vor kommen die meisten Schülerinnen und Schüler aber an den Grundschulen und Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe an. Von 587 Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe wechseln jetzt 116 an Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe und 47 an Gymnasien.

Die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende plädierte dafür, mehr Schulen miteinzubeziehen, um die Aufgaben auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Schulen mit schwierigem Einzugsgebiet sollten darüber hinaus bei der Personalzuweisung gestärkt werden.

Zeit für die Entwicklung von Konzepten
In Hinblick auf eine bessere Integration machte sich Katja Coordes für eine intensivere Unterstützung der Schulen stark: „Die Schulen brauchen mehr Zeit und Hilfe für die Entwicklung von Konzepten. Lehrkräfte müssen dies bislang alles „nebenbei“ leisten. Ebenfalls „nebenbei“ helfen sie ihren „neuen“ Schülerinnen und Schüler beim Aufholen anderer Unterrichtsinhalte. So ganz „nebenbei“ wird das aber nicht funktionieren. Ohne mehr Hilfe ist Frust vorprogrammiert.“

Um dem vorzubeugen, appellierte sie an das Bildungsministerium, den Schulen für die Konzeptentwicklung Entlastungsstunden zur Verfügung zu stellen, die Schulsozialarbeit zu stärken und für die Elternarbeit mehr Dolmetscher und Kulturmittler bereitzustellen.

*   DaZ: Deutsch als Zweitsprache
** Basisstufe: das erste Jahr Deutschunterricht an Schulen in Schleswig-Holstein für Zugewanderte und Geflüchtete

 

Verantwortlich: Bernd Schauer, 01.02.2017

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