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Befristete Verträge in der WissenschaftFrist ist Frust!

Die Hochschulen in Schleswig-Holstein beschäftigen den Großteil ihrer Mitarbeiter*innen nur befristet. Das geht aus der Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine kleine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervor.

18.07.2019

Zum 1. Juli dieses Jahres waren demnach an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1006 Wissenschaftler*innen nur auf Zeit beschäftigt. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt 85% der Verträge an der Kieler Universität befristet, an der FH Kiel 75%. An den anderen Hochschulen des Landes ist die Situation nicht besser.

Frist ist Frust. Das ist traurige Realität für die übergroße Mehrheit der Wissenschaftler*innen ohne Professur an Hochschulen. Bundesweit werden neun von zehn der rund 180.000 wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen mit Zeitverträgen abgespeist – überwiegend mit Kurzzeitverträgen, die weniger als ein Jahr laufen.

Für die Nachwuchswissenschaftler*innen bedeutet das unsichere Zukunftsperspektiven, jahrelanges Hangeln von einem Arbeitsvertrag zum nächsten, Familienplanung ist kaum möglich. Die GEW fordert schon seit Jahren eine umfassende Reform der Karrierewege in Hochschule und Forschung. Mit dem Templiner Manifest und dem Herrschinger Kodex hat die GEW konkrete Vorschläge gemacht, wie gute Arbeitsbedingungen und gute Forschung und Lehre Hand in Hand gehen können.

Mit dem neuen Zukunftspakt „Studium und Lehre stärken“ haben Bund und Länder die Chance, hier etwas zu bewegen. Der Vertrag legt ein besonderes Augenmerk darauf, den Anteil der Dauerstellen im wissenschaftlichen und künstlerischen Personal an den Hochschulen zu erhöhen.

Die Landesregierung hat angekündigt, sich diesem Ziel verpflichtet zu fühlen. Allerdings verweist sie auch auf die „besondere Situation der Hochschulen, Lehre sowie Wissenschaft und Forschung mit einander zu verzahnen“. Zum Erreichen der hochschulpolitischen Ziele der Landesregierung seien befristete Arbeitsverträge notwendig. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass in diesem Rahmen in großer Zahl befristete Arbeitsverhältnisse zur Erledigung von Daueraufgaben in Forschung und Lehre geschaffen wurden. Das muss endlich ein Ende haben! Gute Forschung braucht Perspektiven!  Darauf werden wir drängen und im Herbst im Rahmen der Kampagne „Frist ist Frust“ von GEW, ver.di und dem Mittelbauinitiativen-Netzwerk NGAWiss in Schleswig-Holstein aktiv werden.

 

Am 6. Juni 2019 haben Bund und Länder den Zukunftspakt „Studium und Lehre stärken“ verabschiedet. Dieser neue Hochschulpakt sieht vor, dass die Länder in „Selbstverpflichtungen“ zur Umsetzung des Pakts auch Ziele zur Erhöhung des Anteils der Dauerstellen formulieren und darüber berichten.

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