GEW Schleswig-Holstein
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Corona-BeschlüsseEnttäuschend und riskant

Keine klare Linie sieht die GEW in den gestrigen Beschlüssen von Bundeskanzlerin und Ministerpräsidentinnen und -präsidenten. Für die Schulen bieten sie keine Verlässlichkeit. Kindertagesstätten finden gar keine Erwähnung.

26.11.2020

„Die Entscheidungen für den Bildungsbereich sind enttäuschend und riskant. Statt - wie vom Robert Koch-Institut vorgeschlagen - ab einem Inzidenzwert von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner konsequent auf Wechselunterricht zu setzen, schafft sich die Politik einfach einen neuen unverbindlichen und hochriskanten Grenzwert von 200“, kritisierte die GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke. In Schleswig-Holstein könnten wir uns noch glücklich schätzen, dass hier die Inzidenzwerte relativ niedrig seien. Inzidenzwerte von 100 in Pinneberg und 70 in Kiel gäben aber auch hier großen Anlass zur Sorge.

„Es muss also auch in Schleswig-Holstein was passieren. Wir erwarten von der Bildungsministerin handfeste Maßnahmen, die sofort greifen. Dazu gehören eine Halbierung der Klassen und die Einführung von Wechselunterricht dort, wo der Inzidenzwert über 50 liegt“, wandte sich Astrid Henke an Bildungsministerin Karin Prien. „Die Weihnachtsferien um zwei Tage nach hinten zu verlängern ist keine schlechte Idee. Alles, was dazu beiträgt, das Ansteckungsrisiko nur ein wenig zu reduzieren, sollten wir tun. Wir brauchen allerdings keine halben Sachen. Wenn Ferien pandemiebedingt verlängert werden, dann sollten die Schulen konsequenterweise auch geschlossen bleiben. Eltern sollte man dafür zwei zusätzliche Kinderbetreuungstage gewähren“, meinte Astrid Henke. Eine derartige Maßnahme könne jedoch nicht wichtigere Dinge ersetzen.

In vielen Schulen kämpften die Lehrkräfte mit unzureichenden Bedingungen. So lasse sich das Lüftungskonzept des Umweltbundesamtes für die regelmäßige Lüftung von Klassenräumen teilweise überhaupt nicht umsetzen. „Wo die Vorgaben nicht umgesetzt werden können, müssen sofort entsprechende Filteranlagen eingebaut werden“, forderte die Gewerkschafterin. Ebenso müssten endlich die Anschaffung digitaler Endgeräte und Maßnahmen zur digitalen Fortbildung der Lehrkräfte beschleunigt werden.

Obwohl die Infektionsfälle in den Kitas steigen, haben sich Kanzlerin und Ministerpräsidentinnen und -präsidenten um die Kitas überhaupt nicht gekümmert. „Das ist eine krasse Missachtung der Arbeit von Erzieherinnen, die versuchen den Kleinsten in unserer Gesellschaft ein Stückweit Normalität zu ermöglichen. Obwohl ihre Arbeit systemrelevant ist, wird ihre Gesundheit nicht ausreichend geschützt“, ging Astrid Henke mit der Politik hart ins Gericht. Ohne mehr Personal, zum Beispiel durch Aufstockungen für Beschäftigte, die das wünschten, werde sich der Kita-Betrieb nicht aufrechterhalten lassen. Einschränkungen bei den Früh- und Spätdiensten seien unumgänglich.

Die GEW schlägt zudem ein einheitliches abgestimmtes Vorgehen bei Infektions- und Verdachtsfällen sowie anlasslose Corona-Tests für das Kitapersonal vor, um die Sicherheit zu erhöhen.