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Den ganzen Vormittag nicht auf die Toilette gehen oder den Zivildienstleistenden mit 20 Kindern allein lassen? Wer sich diese Frage eigentlich gar nicht stellen möchte, sollte nicht in Stormarn Erzieherin werden.
Wie bereite ich 0,3 Quadratmetern Tischfläche Unterricht vor, erledige Verwaltungsaufgaben, führe Dienstgespräche und korrigiere, wenn mehrere Dutzend Kollegen im gleichen Raum das Gleiche versuchen. Wer sich diese Frage nicht stellen möchte, sollte nicht in Oldesloe Lehrkraft werden.
Diese und viele andere Beispiele alltäglicher Belastungen aus Oldesloe und Stormarn durch die miserable Ausstattung des Bildungssektors wurden am 21. September auf der Hude in Bad Oldesloe auf 15 Plakaten ausgestellt. In großformatigen Fotos waren die verschimmelten Fenster der Stadtschule zu sehen. Alltagsberichte von skandalösen Zuständen waren auf Stelltafeln zu lesen: Reinigungskräfte, die monatelang in Kitas für Betreuungsaufgaben eingesetzt wurden, Lärmbelastungen weit jenseits der Grenzen der Gesundheitsgefährdung in Schulen und Kitas, Überbelegungen von über 100% des ursprünglich geplanten Bedarfs in Kitas, CO2-Belastungen im Unterricht, die Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen hervorrufen.
Diese Sammlung von Missständen hatte eine aktive Gruppe von Erzieherinnen und Lehrkräften in vier Monaten zusammengetragen. GEW Oldesloe und Stormarn riefen zu einer Kundgebung auf. Matthias Heidn, der Landesvorsitzende der GEW, und Carsten Stock von der Kreiselternvertretung für Kindertageseinrichtungen in Stormarn (KEV Stormarn) und Schulelternbeiratsvorsitzender der Stadtschule unterstützten die Aktion durch Redebeiträge. Für gute Laune sorgten Rockmusik von Gabi Liedtke – und warmer Sonnenschein.
Ziel war es, im Vorfeld der Landtagswahlen von den Parteien schon in ihren Wahlprogrammen konkrete Zusagen zur Verbesserung der Ausstattung im Bildungssektor einzufordern. Auf Handzetteln wurden folgende Forderungen der GEW, bzw. des Kita-Bündnisses, dem die GEW angehört, in den Vordergrund gerückt:
Für die Kitas: 2 Fachkräfte für 16 Kinder im Alter von 3 bis 5 Mehr bezahlte Vorbereitungszeit für Erzieher/innen! Löhne für Erzieher/innen, die der hohen Qualifikation entsprechen!
Für die Schulen: Höchstens 24 Schüler/innen pro Schulklasse. Senkung der Unterrichtsverpflichtung auf 24 Stunden Gleiches Gehalt für alle Lehrkräfte!
Für alle pädagogischen Einrichtungen: Mehr technisches und Verwaltungspersonal! Entlastung der Pädagog/innen von Zusatzaufgaben
Matthias Heidn, der Landesvorsitzende der GEW, veranschaulichte mit einer Fülle von Beispielen, wie die Landespolitik den Bildungssektor in den letzen Jahren ausgetrocknet hat. Carsten Stock, der Mitglied der Kreiselternvertretung für Kindertageseinrichtungen in Stormarn, betonte, wie sehr die schlechte Personalsituation auch die Kinder belaste, und machte die Unterstützung der Elternschaft für die Forderungen der GEW deutlich. Für die GEW Bad Oldesloe und die Vorbereitungsgruppe sprach Johann Knigge, der hervorhob, dass die gesammelten Beispiele keine Einzelfälle seien. An die Parteien richtete er den Appell, über blumige Bekenntnisse hinauszugehen und schon im Vorfeld der Wahlen konkrete Zahlen zu nennen.
Zur Aktion fanden sich etwa 50 ErzieherInnen, Lehrkräfte und Eltern ein. Die Plakate stießen bei den PassantInnen in der Oldesloer Einkaufszone auf reges Interesse. Auch das Echo von Presse und Parteien war stark: Es berichteten das Hamburger Abendblatt, die SHZ, die Lübecker Nachrichten, der Markt vor Ort und mit einem Hinweis sogar NDR Info. DIE LINKE Glinde/Oststeinbek/Reinbek und DIE GRÜNEN Bad Oldesloe bekundeten in Mitteilungen an die GEW Bad Oldesloe ihre Unterstützung. Die GRÜNEN konkretisierten „dass das Geld, das für die Fehmarnbelt- und die A20-Elbe-Querung zum Fenster hinaus geworfen wird, lieber in die Bildung investiert wird. Wir werden in unserem Landtagswahlprogramm fordern, dass die sogenannte "demographische Rendite", die sich durch den Schülerrückgang ergibt, nicht nur zum Schuldenabbau verbraucht wird, sondern der Fachkräfteversorgung und der Entlastung der Lehrkräfte mittels Poolstunden zur Verfügung steht.“ Die Oldesloer Ortsvereinsvorsitzende der SPD, Susanne Danhier, war persönlich auf der Kundgebung und ließ sich die Informationen noch einmal zusenden. Die CDU ließ über das Hamburger Abendblatt wissen, dass es den Sparzielen den Vorrang gebe. Die FDP äußerte sich gar nicht, obwohl auch die Oldesloer FDP-Landtagsabgeordnete Anita Klahn im Vorfeld über die Aktion informiert und eingeladen worden war. Vielleicht bereitet man sich ja schon auf die Zeit nach der Wahl vor.
Dieses Echo hat gezeigt, dass man schon mit kleinen Mitteln einiges bewegen kann. Die Plakate und Handzettel sollen noch für weitere Infostände der GEW in Oldesloe eingesetzt werden. Und vielleicht ändert sich ja wirklich etwas.
Johann Knigge GEW Bad Oldesloe
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