GEW Schleswig-Holstein

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Landesverband Schleswig-Holstein
12. März 2012
Thema: Schule

Gerecht geht anders

Schleswig-holsteinisches Schulsystem Spitze in sozialer Ungerechtigkeit

Kiel – Das schleswig-holsteinische Schulsystem ist ungerecht. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Studie von Bertelsmann-Stiftung und Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung. Danach haben Kinder aus höheren sozialen Schichten im Land zwischen den Meeren eine 5,6mal höhere Chance, ein Gymnasium zu besuchen, als Kinder unterer sozialer Schichten. Im Bundesdurchschnitt liegt dieser Faktor bei 4,5.

„Gefühlt zum 178. Mal bekommt das schleswig-holsteinische Schulsystem ein hohes Maß an sozialer Ungerechtigkeit bescheinigt. Es wird also höchste Zeit, dass die Politik daraus endlich die richtigen Konsequenzen zieht“, äußerte sich Matthias Heidn, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Montag, 12. März 2012 zu den Ergebnissen der Studie. „Wir brauchen zum Beispiel eine Stärkung des längeren gemeinsamen Lernens aller Kinder, bessere Fördermöglichkeiten, mehr Schulsozialarbeit und mehr gebundene Ganztagsschulen. Schließlich müssen in einem demokratischen Land alle Kinder die gleichen Chancen haben.“ Um diese Verbesserungen in den Schulen erreichen zu können, sollte die „Demographie-Rendite“ in vollem Umfang im Bildungssystem bleiben.

Reichten die Maßnahmen der Vorgängerregierungen schon bei Weitem nicht aus, so fehle der jetzigen Landesregierung schlichtweg auch der Wille, die soziale Ungleichheit im Schulsystem anzugehen, sagte Matthias Heidn. „Wer wie Bildungsminister Dr. Klug (FDP) nur die Interessen des Gymnasiums im Kopf hat, an Gemeinschaftsschulen wieder Haupt- und Realschulklassen einführen will und den Regional- und Gemeinschaftsschulen auch noch die Förderstunden halbiert, wird die soziale Schieflage an unseren Schulen nie und nimmer in den Griff kriegen.“