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Die Exodus-Affäre - Jüdisches Museum in Rendsburg mit Programm für Schulklassen

06.11.2017

Die Ausstellung zur "Exodus-Affäre" im Jüdischen Museum Rendsburg führt 70 Jahre zurück in die Zeit direkt nach dem Zweiten Weltkrieg: 4.500 jüdische Überlebende des Holocaust versuchten an Bord eines schrottreifen Schiffes nach Palästina zu kommen.

Große internationale Empörung
Auf hoher See wurden sie von der britischen Armee abgefangen und zwangsweise nach Deutschland verschifft. In der Nähe von Lübeck landeten sie in Internierungslagern hinter Stacheldraht. Die internationale Empörung darüber war groß – und die Gründung eines jüdischen Staates rückte auf die Tagesordnung der Weltpolitik. Die einheimische Bevölkerung Schleswig-Holsteins hatte damals allerdings kaum wahrgenommen, dass sich vor ihrer Haustür Ereignisse mit weltgeschichtlichen Konsequenzen abspielten.
Im Jüdischen Museum Rendsburg ist die bundesweit einmalige Ausstellung noch bis zum 3. Juni 2018 zu sehen. Sie greift ein Kapitel unserer Landesgeschichte auf, das bei der Gründung des Staates Israel vor nahezu 70 Jahren eine bedeutende Rolle gespielt hat.

Kinder und Jugendliche wissen zu wenig über den Holocaust
Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung wissen nur 59 Prozent der befragten SchülerInnen, dass Auschwitz-Birkenau ein Konzentrations- und Vernichtungslager der Nazis im Zweiten Weltkrieg war. Bei den 14- bis 16-Jährigen sind es sogar nur 47 Prozent – und das obwohl die Schülerinnen in der der Umfrage mehrheitlich ein ausgeprägtes Interesse an geschichtlichen Themen für sich beanspruchten. Um Kinder und Jugendliche anzusprechen und ihre Offenheit für historische Zusammenhänge zu nutzen, hat das Jüdische Museum Rendsburg für seine aktuelle Sonderausstellung „Die Exodus-Affäre“ Lernwerkstätten entwickelt, die den Unterricht interdisziplinär ergänzen. Die Angebote eignen sich nicht nur für den Geschichtsunterricht, sondern bieten auch Ansätze für die Fächer Kunst, Deutsch, Wirtschaft/Politik.

Lernwerkstatt - Ein Bild schreibt Geschichte
Das Schiff mit dem Namen „Exodus 1947“ kaum noch seetüchtig, mit mehr als 4.500 Menschen an Bord, die nicht an Land gelassen werden: Dieses Bild geht damals um die Welt und empört die internationale Öffentlichkeit. Heute ist dasselbe Bild überall in Schleswig-Holstein auf Plakaten, Flyern und in den Medien zu sehen. Doch, was zeigt es eigentlich? Worauf lenkt es den Blick und was bleibt unsichtbar?
Die zweistündige Lernwerkstatt richtet sich an Neun- und Zehntklässler und beschäftigt sich am Beispiel der historischen Ereignisse rund um die Exodus mit zentralen Fragen der Berichterstattung und der Entstehung von Bildikonen. Die Schüler lernen Sachverhalte und deren Darstellung kritisch zu hinterfragen.

Lernwerkstatt - Geschichte kontrovers
Die Exodus war eines von mehr als 140 Schiffen, die seit 1934 jüdische Emigranten nach Palästina brachten. Die Odyssee der mehr als 4.500 Passagiere wird dokumentiert von hunderten Fotos, die Eingang in eine breite Erinnerungskultur gefunden haben. Die Fahrten der anderen Auswandererschiffe sind in der Öffentlichkeit dagegen wenig bekannt. Wieso ist das so? Wovon ist abhängig, welche Geschichten erzählt werden und ins kollektive Gedächtnis eingehen? Wer erinnert mit welcher Intention? Die zweistündige Lernwerkstatt ist für die Klassenstufe 11 bis 13 geeignet.

Interessantes Begleitprogramm
Das Museum hat daneben ein interessantes Begleitprogramm aufgelegt sowie einen Katalog zur Ausstellung herausgegeben. Für Schulen wichtig zu wissen: Die Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten fördert Schulexkursionen zu Gedenkstätten wie dem Jüdischen Museum Rendsburg und zeitgeschichtlichen Erinnerungsorten. Details zur Antragstellung und die Unterlagen gibt es im Internet unter: www.gedenkstaetten-sh.de.
Weitere Informationen zur Ausstellung: www.schloss-gottorf.de/juedisches-museum

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